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Strategie

Auslastung TOP,
Wirtschaftlichkeit FLOP:
Warum volle Betten
nicht reichen.

Michael Gehring
Michael Gehring21. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit
Michael Gehring

Ich sitze in einem Hotel in Salzburg. Volles Haus, freundliches Team, schöne Lage. Und trotzdem weiss ich nach fünf Minuten: Dieser Betrieb verdient kein Geld. Man sieht es an der Karte, die seit drei Jahren dieselbe ist. An der Rezeption, die um 22 Uhr unbesetzt bleibt. An der Scheu, den Zimmerpreis überhaupt laut auszusprechen.

Genau darüber haben Ljubo und ich in der neuen Folge gesprochen. Nicht über Auslastung, die stimmt in Österreich seit Jahren. Sondern über die Frage, warum volle Betten am Ende trotzdem zu wenig Geld in der Kasse lassen.

Die Zahlen, die niemand gern anschaut

151 Millionen Nächtigungen hat Österreich 2025 gezählt, laut Österreichischer Hotel- und Tourismusbank und Statistik Austria. Das ist eine stabile, starke Nachfrage. Und trotzdem sagt der Prodinger Trendreport 2026 unmissverständlich: Die Ertragskraft der Betriebe steht zunehmend unter Druck. Die Zimmerpreise steigen, aber die Kosten laufen davon.

Ein paar Zahlen, die mich beim Vorbereiten der Folge selbst stutzig gemacht haben. Der Nächtigungserlös in der 4- und 5-Sterne-Hotellerie liegt bei 152,73 Euro. Für das Niveau, das wir bieten, ist das im internationalen Vergleich niedrig. Die Auslastung stagniert seit 2015 bei 147 bis 182 Vollbelegungstagen im Median, ohne strukturelle Verbesserung. Und in der 3-Sterne-Hotellerie ist der reale Umsatz in zehn Jahren um 44 Prozent gewachsen, während er in der 4-Sterne-Kategorie um 2 Prozent gesunken ist. Die Mitte bricht weg.

Warum Auslastung nichts über den Ertrag sagt

Ein Hoteldirektor hat mir einmal stolz sein volles Haus gezeigt. Dann habe ich ihn nach seinem GOP gefragt. Stille.

Das ist kein Einzelfall. Viele Betriebe arbeiten hart, füllen ihre Zimmer, und verdienen trotzdem zu wenig. Drei Gründe stecken dahinter, aus meiner Sicht. Gesellschaftlich: Gäste buchen mehr, geben aber selektiver aus, und vergleichen heute global. Wirtschaftlich: Energie, Personal und Lebensmittel steigen gleichzeitig, die Preiserhöhungen wurden weitergegeben, aber nicht vollständig. Strukturell: zu viele Betriebe im Mittelsegment ohne klare Positionierung, dazu Investitionsstau aus den Corona-Jahren und ungeklärte Nachfolgen.

«Auslastung ist eine Zahl. Ertrag ist eine Entscheidung.»

Was das für die Praxis bedeutet

Betriebswirtschaft wird in der Hotellerie oft an den Steuerberater delegiert. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Fehler. RevPAR, GOP und TRevPAR sind keine Kennzahlen für den Jahresabschluss, sie sind Führungsinstrumente für jeden Tag.

Wer als Gastgeber ernsthaft gegensteuern will, hat fünf Hebel. Kennzahlen täglich führen, nicht erst im Jänner. Preisdurchsetzung als Führungsaufgabe verstehen, denn Österreichs Qualitätshotellerie ist unterbepreist. Direktbuchungen stärken, weil jede OTA-Buchung 15 bis 20 Prozent Provision kostet. Digitalisierung gezielt einsetzen, dort wo sie sofort wirkt, etwa bei Check-in, Revenue Management und Dienstplanung. Und Nachfolge als betriebswirtschaftliche Frage behandeln, nicht als emotionales Thema, das man auf später verschiebt.

Was Sie sofort umsetzen können:
1. Prüfen Sie diese Woche Ihren GOP, nicht erst beim Jahresabschluss.
2. Rechnen Sie durch, was Ihre OTA-Abhängigkeit Sie tatsächlich kostet.
3. Definieren Sie einen konkreten nächsten Schritt für Ihre Nachfolge, auch wenn sie noch Jahre entfernt ist.

Österreichs Hotellerie hat alles, was sie braucht. Die Lage, die Qualität, die Gastfreundschaft. Was vielen Betrieben fehlt, ist der Mut zur Zahl. Wer seinen Betrieb nicht in Zahlen lesen kann, kann ihn auch nicht in die Zukunft führen. Wählen Sie einen Punkt aus dieser Folge, setzen Sie ihn um, und beobachten Sie, was sich verändert.

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Beratung · Hotel Success

Ertrag
statt nur Auslastung.

Wie Ihr Betrieb Kennzahlen zur Führungsgrundlage macht, Preise durchsetzt und Direktbuchungen stärkt, ist eine Frage der Struktur, nicht des Glücks. In einem Erstgespräch zeige ich, wo Sie ansetzen können.

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