HotelSuccess  /  Standortbestimmung
Strategiepapier · Eigentümer, Verwaltungsräte, Investoren

Das Haus ist
nicht das Problem.
Es ist der Ort, an dem
man es sucht.

Michael Gehring
Michael Gehring · Hotel Mentor Strategiepapier · 18 Min. Lesezeit · mit Selbstdiagnose
Michael GehringKI-generiert / AI generated

Worum es hier geht. Dieses Papier ist kein Prospekt. Es ist die Denkweise, mit der ich seit vier Jahrzehnten in Hotelbetriebe gehe, offengelegt, bevor wir miteinander gesprochen haben. Sie können alles darin ohne mich anwenden. Einiges davon werden Sie ohne fremde Hilfe umsetzen. Für den Rest wissen Sie danach zumindest, wonach Sie suchen.

Wenn Sie nur einen Satz mitnehmen, dann diesen: Kapital repariert keine Entscheidung.

Kapitel 1

Der Zustand, über den niemand spricht

Die Betriebe, die mich rufen, sind selten in der Krise. Krise ist einfacher. Eine Krise erzwingt Entscheidungen, sie setzt eine Frist, sie räumt den Tisch ab. Was ich viel häufiger sehe, ist etwas anderes, und es hat keinen Namen in der Betriebswirtschaft.

Das Haus ist gut. Die Lage stimmt. Die Bewertungen liegen bei 8,2 und niemand weiss genau, warum sie nicht bei 8,8 liegen. Die Auslastung ist ordentlich, der Ertrag ist es nicht. Das Team funktioniert, aber es trägt nichts. Der Sommer rettet, der November frisst. Und die Jahre sehen einander so ähnlich, dass man sie in der Rückschau kaum auseinanderhält.

Nichts davon ist dramatisch genug, um zu handeln. Genau das ist das Problem.

«Eine Krise erzwingt Entscheidungen. Mittelmass erlaubt, sie zu verschieben. Deshalb ist Mittelmass am Ende teurer als eine Krise.»

Und meistens wurde ja etwas versucht. Die Zimmer wurden renoviert. Ein neuer Direktor kam und ging. Ein Revenue-Tool wurde eingeführt. Eine Agentur hat die Website gemacht. Jede dieser Massnahmen hat etwas bewirkt, keine hat den Unterschied gemacht. Das führt zu dem Schluss, der die meisten Betriebe am längsten aufhält: Wir haben doch schon alles probiert.

Haben Sie nicht. Sie haben mehrfach auf derselben Ebene gearbeitet, und zwar auf der falschen. Welche das ist, kläre ich in Kapitel 3. Vorher müssen vier Sätze aus dem Weg.

Kapitel 2

Vier Sätze, die in fast jedem Hotel gesagt werden

Ich höre diese vier Sätze in fast jedem Erstgespräch. Sie sind nicht dumm. Sie sind alle vier zur Hälfte richtig, und genau deshalb sind sie so teuer: Die richtige Hälfte macht die falsche unsichtbar.

01

«Wir müssten erst einmal investieren.»

Warum sich das richtig anfühlt

Substanz ist das Einzige, was man sehen kann. Gäste schreiben über das Bad, nicht über die Kostenrechnung. Der Verwaltungsrat kann einen Investitionsantrag beschliessen, eine Führungskultur kann er nicht beschliessen. Also wird investiert, weil Investieren die einzige Handlung ist, die sich wie Handeln anfühlt.

Was tatsächlich passiert

Eine Investition ist ein Verstärker, kein Motor. Sie verstärkt, was im Betrieb bereits da ist, und sie verstärkt genauso zuverlässig das, was fehlt. Neue Zimmer bei unverändertem Servicestandard und unveränderter Preisstruktur ergeben eine höhere Abschreibung auf dasselbe operative Ergebnis. Schlimmer noch: Renovierung hebt die Erwartung des Gastes schneller, als der Betrieb sie einlösen kann. Danach fällt die Bewertung, und niemand versteht warum.

Die bessere Frage

Welchen Preis können wir nach dieser Investition durchsetzen, und wer in diesem Haus setzt ihn durch? Steht auf diese Frage keine Antwort mit einem Namen und einer Zahl, ist die Investition nicht falsch. Sie ist zu früh.

02

«Wir finden einfach kein Personal.»

Warum sich das richtig anfühlt

Weil es stimmt. Der Markt ist eng, die Branche hat einen Ruf, und in manchen Regionen konkurriert die Hotellerie mit Industrielöhnen, die sie nicht zahlen kann. Das ist keine Ausrede, das ist die Realität.

Was tatsächlich passiert

Der Markt erklärt trotzdem nicht, warum zwei vergleichbare Häuser in derselben Strasse völlig unterschiedliche Fluktuation haben. Menschen kündigen selten einen Betrieb. Sie kündigen die Führungskraft über sich, und zwar meist nach dem dritten Mal, dass etwas Zugesagtes nicht eingehalten wurde. Rekrutierung ist die Reparatur. Bindung ist die Ursache.

Und Bindung hat einen Preis, den fast niemand rechnet: Die Wiederbesetzung einer Fachstelle kostet ein Vielfaches eines Monatsgehalts, sobald man Ausschreibung, Einarbeitungszeit, Produktivitätsverlust, Fehlerkosten und die Wirkung auf den Gast ehrlich zusammenzählt. Bei einem Dutzend Abgängen im Jahr summiert sich das zu einem Betrag, der in keiner Zeile Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung auftaucht. Genau deshalb wird er nie diskutiert.

Die bessere Frage

Wer in diesem Haus hat in den letzten vierzehn Tagen einer Mitarbeiterin gesagt, dass ihre Arbeit gut war? Wenn Ihnen darauf niemand einfällt, haben Sie kein Arbeitsmarktproblem.

03

«Wir brauchen mehr Auslastung.»

Warum sich das richtig anfühlt

Auslastung ist die einzige Zahl, die jeder im Haus versteht, die täglich vorliegt und die man mit dem Nachbarhaus vergleichen kann. Sie ist deshalb die Zahl, über die in Sitzungen gesprochen wird.

Was tatsächlich passiert

Auslastung ist die am einfachsten zu kaufende Kennzahl der Hotellerie und deshalb die teuerste. Nahezu jedes Haus kann nächste Woche neunzig Prozent haben. Bezahlt wird das im Ertrag. Das letzte Zimmer, dreissig Prozent unter Preis verkauft, kostet Reinigung, Frühstück, Energie und Personal, und es beschädigt zusätzlich den Preis, den derselbe Gast beim nächsten Mal für angemessen hält. Häuser, die Auslastung steuern, subventionieren meistens Nachfrage, die sie ohnehin gehabt hätten.

Auslastung ist ein Ergebnis. Behandelt wird sie wie ein Ziel.

Die bessere Frage

Wie hat sich unser Ertrag je verfügbarem Zimmer entwickelt, getrennt nach Preis und Belegung? Wenn die Belegung steigt und der Durchschnittspreis gleichzeitig fällt, wächst nicht das Geschäft, sondern die Arbeit.

04

«Die Nachfolge regeln wir, wenn es so weit ist.»

Warum sich das richtig anfühlt

Weil es sich um eine Entscheidung handelt, die niemand erzwingt und die emotional teuer ist. Ein Lebenswerk zu übergeben, verlangt, sich das eigene Aufhören vorzustellen. Das verschiebt man, und man hat immer einen guten Grund dafür.

Was tatsächlich passiert

Ein Kaufpreis wird auf Basis der letzten drei Geschäftsjahre bezahlt. Wer heute beginnt, verkauft frühestens in drei Jahren zu einem Preis, den er beeinflusst hat. Wer wartet, verkauft irgendwann zu dem Preis, den seine Vergangenheit diktiert. Dazwischen liegen in der Praxis regelmässig zwanzig bis dreissig Prozent des Unternehmenswerts.

Dazu kommt ein Punkt, den Eigentümer fast nie auf der Rechnung haben: Ein Betrieb, der ohne den Eigentümer nicht läuft, ist schwer verkäuflich. Was jahrzehntelang Ihre grösste Stärke war, Ihre persönliche Präsenz, wird am Tag der Bewertung zum Abschlag.

Die bessere Frage

Was passiert in diesem Betrieb, wenn ich sechs Wochen lang nicht erreichbar bin? Die ehrliche Antwort darauf ist Ihre Bewertung.

Und ein fünfter Satz, den ich über meine eigene Zunft sagen muss

«Wir holen jemanden, der das einmal analysiert.» Analysen sind nicht das knappe Gut. In fast jedem Haus, in das ich komme, liegt bereits ein Konzept in einer Schublade, und meistens ist es ein gutes. Es fehlt nicht die Erkenntnis. Es fehlt die Person, die morgens um sechs in der Küche steht, wenn die Entscheidung zum ersten Mal wehtut.

Kapitel 3

Die vier Ebenen. Und warum Geld und Ergebnis nicht am selben Ort liegen

Jeder Hotelbetrieb arbeitet gleichzeitig auf vier Ebenen. Sie sind hier von unten nach oben aufgebaut: unten das Sichtbarste, oben das Wirksamste.

4
Entscheidung · Eigentümer und Gremium
Ob überhaupt entschieden wird. Gestalten oder verwalten. Ob eine Führungskraft entscheiden darf oder nur ausführen. Ob es ein schriftliches Ziel mit einer Jahreszahl gibt. Diese Ebene taucht in keinem Organigramm auf und begrenzt trotzdem alle anderen.
3
Führung · Präsenz und Standard
Ob das Entschiedene gelebt wird. Wer sieht hin, wer gibt Rückmeldung, wer zieht eine Konsequenz, wenn ein Standard nicht gehalten wird. Hier entsteht Fluktuation, hier entsteht Servicequalität, hier entsteht der Unterschied zwischen 8,2 und 8,8.
2
Struktur · Prozesse und Zahlen
Wie entschieden wird. Zuständigkeiten, Preislogik, Reporting, Instandhaltungsplanung. Wer bei Uneinigkeit entscheidet. Wann welche Zahl auf welchem Tisch liegt. Struktur ersetzt keine Führung, aber sie entlastet sie.
1
Substanz · Immobilie und Ausstattung
Was Sie besitzen. Zimmer, Küche, Lage, Technik, Wellness. Die Ebene, die man fotografieren kann. Die Ebene, für die es Angebote, Kredite und Förderungen gibt. Und die Ebene, auf der am meisten Kapital gebunden und am wenigsten Ertrag entschieden wird.

Kapital fliesst nach unten · Ergebnis entscheidet sich oben

Dazwischen gilt ein einziger Satz, und er ist der eigentliche Inhalt dieses Papiers:

«Jede Ebene wirkt nur so weit, wie die Ebene über ihr es zulässt.»

Die beste Substanz bringt nichts ohne eine Struktur, die sie zum richtigen Preis verkauft. Die beste Struktur bringt nichts ohne eine Führung, die sie im Alltag durchhält. Und die beste Führung bringt nichts, wenn der Eigentümer oder das Gremium sie nicht entscheiden lässt.

Was ich in vier Jahrzehnten beobachtet habe, ohne Anspruch auf eine Studie: Der überwiegende Teil des eingesetzten Kapitals fliesst in Ebene 1. Der überwiegende Teil des Ergebnisses entscheidet sich auf Ebene 3 und 4. Diese Lücke ist der Grund, warum Häuser nach zwei Millionen Investition dasselbe Betriebsergebnis ausweisen wie davor.

Deshalb der Satz, der über meiner ganzen Arbeit steht: Software schlägt Hardware. Das ist eine Rechnung.

Die vier Ebenen im Betrieb

Damit das Modell im Alltag etwas nützt, hier jede Ebene einzeln: woran Sie sie in Ihrem Haus erkennen, welches Signal zuerst auftaucht, und was der erste Eingriff ist, wenn Sie dort ansetzen müssen.

4Entscheidung · Eigentümer und Gremium
Woran Sie sie erkennen
An der Zeit zwischen «wir sollten mal» und einer Entscheidung mit einem Namen und einem Datum. Und daran, ob ein Beschluss die nächste Sitzung überlebt oder dort wieder aufgemacht wird. Ein dritter Hinweis: wer in Ihrer Runde Nein sagen darf, ohne dass es ihm schadet.
Das Warnsignal
Themen kehren wieder. Dasselbe steht zum dritten Mal auf der Traktandenliste, und dazwischen ist nichts passiert. Das zweite Signal ist leiser: Ihre Führung fragt Dinge an, die sie längst selbst entscheiden dürfte. Das ist keine Rückversicherung, das ist gelernte Vorsicht.
Der erste Eingriff
Ein Beschlussprotokoll mit drei Spalten: was, wer, bis wann. Dazu die Regel, dass ein Beschluss ohne Namen kein Beschluss ist. Das klingt nach Bürokratie und ist der billigste Hebel im ganzen Haus. Parallel dazu ein einziger schriftlicher Satz, wofür dieses Haus steht. Ein Satz, kein Leitbild.
3Führung · Präsenz und Standard
Woran Sie sie erkennen
Daran, was passiert, wenn ein Standard gebrochen wird. Wird es gesehen? Wird es angesprochen, und zwar am selben Tag? Und wissen Ihre Leute, woran sie gemessen werden, ohne nachdenken zu müssen?
Das Warnsignal
Die Guten gehen zuerst. Wer Verantwortungsgefühl hat, hält am längsten die Lücken, die andere hinterlassen, und geht dann. Wenn Ihre letzten Abgänge überdurchschnittlich gut waren, lag es nicht am Arbeitsmarkt. Das zweite Signal: Rückmeldung gibt es nur, wenn etwas schiefgeht.
Der erste Eingriff
Drei Zahlen je Führungskraft, wöchentlich, von ihr selbst berichtet und nicht aus einem System gezogen. Dazu eine Führungsrunde von zwanzig Minuten pro Woche, in der jede dieser Zahlen einen Satz bekommt. Das kommt ohne Reporting-Projekt und ohne neues Werkzeug aus. Die Wirkung entsteht dadurch, dass jemand hinsieht.
2Struktur · Prozesse und Zahlen
Woran Sie sie erkennen
Am Kalender, nicht am Handbuch. Wann liegt der Monatsabschluss vor, wer sieht ihn an, und was passiert, wenn eine Zahl abweicht? Struktur ist das, was auch dann noch funktioniert, wenn Sie drei Wochen nicht im Haus sind.
Das Warnsignal
Entscheidungen wandern nach oben. Kleine Fragen landen bei Ihnen, weil niemand weiss, wer sie sonst entscheiden darf. Viele Eigentümer lesen das als Loyalität; es ist ein Strukturdefekt, und er kostet Sie Ihre Zeit. Das zweite Signal: Zahlen werden diskutiert statt benutzt.
Der erste Eingriff
Schreiben Sie für die fünf häufigsten Streitfälle auf, wer entscheidet. Eine Seite genügt. Dazu ein festes Datum für den Monatsabschluss, das ohne Ausnahme gilt. Es ist die Ausnahme, die einen solchen Termin über die Jahre auflöst, nicht die Nachlässigkeit.
1Substanz · Immobilie und Ausstattung
Woran Sie sie erkennen
Am Abstand zwischen dem, was der Gast vorfindet, und dem, was Ihre Website verspricht. Und daran, ob Instandhaltung geplant oder ausgelöst wird: Steht ein Fünfjahresplan mit Beträgen, oder wird gemacht, was gerade kaputt ist?
Das Warnsignal
Investitionen werden mit Notwendigkeit begründet statt mit Ertrag: «das ging so nicht mehr». Wo dieser Satz die Begründung ist, läuft eine Reparaturkette. Das zweite Signal: Die Frage, welches Zimmer den Massstab setzt, bleibt unbeantwortet.
Der erste Eingriff
Ein Zimmer als Referenzstandard festlegen, an dem alle anderen gemessen werden. Einen Fünfjahresplan mit Beträgen. Und für jede geplante Investition eine einzige zusätzliche Zeile: welchen Preis wir danach verlangen, und wer ihn durchsetzt. Diese Zeile entscheidet über die Freigabe.

Wenn Sie mehrere dieser Signale gleichzeitig sehen, gilt die Reihenfolge von oben: Beginnen Sie auf der höchsten Ebene, auf der eines davon auftaucht.

Die praktische Regel: Suchen Sie die Ursache eine Ebene über dem Symptom

Das Symptom, das Sie sehenWo gesucht wirdWo es meistens liegt
Die Zimmer wirken müde, obwohl renoviert wurde.Ebene 1 · noch mehr investierenEbene 2 · Es gibt keinen Instandhaltungsplan und keine Zuständigkeit für den Zustand einzelner Zimmer.
Die Zahlen kommen zu spät und stimmen nur ungefähr.Ebene 2 · neues System einführenEbene 3 · Ihre Verspätung bleibt folgenlos, weil niemand sie zu einem festen Termin einfordert.
Die Führungskraft führt nicht wirklich.Ebene 3 · Führungskraft austauschenEbene 4 · Sie darf nicht entscheiden. Wer nichts entscheiden darf, führt auch nicht, er verwaltet.
Der Preis lässt sich nicht durchsetzen.Ebene 2 · Revenue-Tool kaufenEbene 4 · Es gibt keine Entscheidung darüber, wofür dieses Haus steht. Ohne Position kein Preis.

Der zweite Austausch einer Führungskraft, der nichts verändert, ist immer ein Hinweis auf Ebene 4. Das ist der unangenehmste Satz in diesem Papier, und er ist der wichtigste.

Kapitel 4

Ihre Standortbestimmung: zwölf Fragen

Diese zwölf Fragen sind die, die ich in den ersten Tagen eines Mandats ohnehin stelle. Sie sind bewusst so gestellt, dass man sie nicht diplomatisch beantworten kann. Setzen Sie nur dort ein Häkchen, wo Sie ohne Zögern «ja» sagen würden. Ein «im Prinzip schon» ist ein Nein.

Zwölf Fragen an Ihren Betrieb

Drei Fragen je Ebene. Die Auswertung erscheint automatisch und zeigt zusätzlich, auf welcher Ebene Ihr Engpass wahrscheinlich liegt.

Ebene 4 · Entscheidung
Ebene 3 · Führung
Ebene 2 · Struktur
Ebene 1 · Substanz
0 von 12

Setzen Sie die Häkchen. Die Auswertung erscheint hier. Es wird nichts gespeichert und nichts übertragen, die Auswertung läuft ausschliesslich in Ihrem Browser.

Die Auswertung rechnet ausschliesslich in Ihrem Browser. Übertragen wird nur, was Sie unten aktiv absenden.

Kapitel 5

Die drei Zahlen, die die Wahrheit sagen

Ein Hotelbetrieb produziert hunderte Kennzahlen. Drei davon würde ich behalten, wenn ich alle anderen abgeben müsste.

ZahlWas sie misstWarum ausgerechnet diese
GOPPAR
Bruttobetriebsertrag je verfügbarem Zimmer
Was am Ende eines Tages tatsächlich im Haus bleibt, bezogen auf die Kapazität, die Sie ohnehin bezahlen.Sie lässt sich nicht durch Rabatte schönen. Auslastung und Umsatz kann man kaufen, GOPPAR nicht.
Kosten der Fluktuation
Abgänge × Wiederbesetzungskosten
Was Sie im Jahr dafür bezahlen, dass Menschen gehen. Realistisch gerechnet, nicht nur Inserat und Agentur.Die einzige regelmässig sechsstellige Position, die in keiner Gewinn- und Verlustrechnung steht und deshalb nie beschlossen wird.
Umsetzungsquote
umgesetzte von zehn Beschlüssen
Nehmen Sie die letzten zehn Beschlüsse Ihrer Sitzungen. Wie viele sind erledigt, mit Datum und mit Namen.Diese Zahl sagt mehr über die nächsten drei Jahre Ihres Betriebs aus als jede Auslastungsprognose. Sie misst Ebene 4.

Die dritte ist die unbequemste, weil sie die Runde bewertet, die über das Haus entscheidet. Ich habe noch keinen Betrieb gesehen, der dauerhaft über seiner Umsetzungsquote performt.

Kapitel 6

Wie ich arbeite: die ersten 90 Tage

Was ich nicht mache, gehört an den Anfang: keinen Bericht, kein Junior-Team, keine Präsentation mit achtzig Folien, und keine Empfehlung, für die ich nicht selbst geradestehe. Ich bin kein Berater von aussen. Ich bin im Haus.

Tage 1 bis 14 · Sehen

Ich arbeite mit, nicht im Besprechungsraum. Frühdienst, Küche, Rezeption, Spätdienst, Wochenende. Die Menschen, die die Wahrheit kennen, sagen sie erst ab dem dritten Tag und selten in einem Meeting. Am Ende dieser zwei Wochen steht der Engpass benannt, mit der Ebene, auf der er liegt, und mit dem, was er kostet. Auf drei Seiten, nicht auf achtzig.

Tage 15 bis 45 · Entscheiden

Maximal fünf Entscheidungen. Mehr verträgt kein Betrieb gleichzeitig, und wer zehn Dinge parallel ändert, weiss hinterher nicht, was gewirkt hat. Jede Entscheidung schriftlich, jede mit einem Namen und einem Datum. In der Praxis sind fast immer dabei: eine Preisentscheidung, eine Personalentscheidung, die seit über einem Jahr aufgeschoben wird, und eine Zuständigkeit, die nie sauber geklärt war.

Tage 46 bis 90 · Umsetzen

Hier trennt sich diese Arbeit von Beratung. Umsetzen heisst: dabei sein, wenn es unangenehm wird. Beim ersten Gespräch mit der Führungskraft, die den neuen Standard nicht trägt. Beim ersten Stammgast, der den neuen Preis hinterfragt. Und im ersten Monat, in dem eine Zahl schlechter aussieht, bevor sie besser wird, denn den gibt es fast immer, und an dieser Stelle brechen die meisten Vorhaben ab.

Nach 90 Tagen steht eine messbare Veränderung in mindestens einer der drei Zahlen aus Kapitel 5, oder wir führen ein ehrliches Gespräch über den Grund. Beides ist ein Ergebnis. Nur das Weitermachen ohne Bilanz ist keines.

Was danach kommt, hängt vom Betrieb ab und nicht von einem Produktkatalog: eine Begleitung über zwölf bis sechsunddreissig Monate, eine Interimsführung, ein Verwaltungsratsmandat, oder eben nichts, weil das Haus ab hier alleine weiterkommt. Der letzte Fall ist mir lieber als ein Mandat, das sich selbst verlängert.

Kapitel 7

Drei Häuser, drei Ebenen

Anonymisiert, weil Diskretion Teil der Arbeit ist. Die Zahlen sind die, die am Ende der Mandate standen.

AusgangslageDer eigentliche EngpassErgebnisDauer
Hotel in der Schweiz
Sinkende Auslastung, kein klares Profil, Führung im Überlebensmodus.
Ebene 4. Die Zahlen waren jahrelang durch das Schliessen von Betriebsteilen im Rahmen gehalten worden. Wo kein Betrieb lief, fielen auch keine Personalkosten an. Das Haus überlebte, aber es lebte nicht. +50 % RevPAR
+15 % Durchschnittspreis
+30 % Auslastung
2 Jahre
Alpine Boutique-Destination
Regionales Haus ohne überregionale Wahrnehmung.
Ebene 4 und 2. Es gab keine Entscheidung darüber, wofür das Haus steht, und deshalb keine Qualitätsstandards, an denen man sie hätte messen können. Top 100 Schweizer Hotels
2 Hauben Gastronomie
+60 % Zimmererlös
6 Jahre
Österreichischer Betrieb
Negativspirale aus schlechten Bewertungen, Fluktuation, sinkender Auslastung.
Ebene 3. Es fehlten Führungsstruktur, Service-Standards und Konsequenz. Die Bewertungen waren das Symptom, nicht die Krankheit. Gastbewertung 7,6 → 8,8
68 % Auslastung
stabile Teamstruktur
18 Monate

Jedes dieser Ergebnisse hat Jahre gebraucht. Alle drei haben in den ersten 90 Tagen mit einer Entscheidung begonnen, die vorher jahrelang offen war.

Kapitel 8

Wann dieser Ansatz nicht passt

Ich schreibe das nicht aus Koketterie. Mandate, die auf einer dieser Konstellationen beginnen, scheitern, und sie kosten beide Seiten Geld und Ruf.

  • Wenn Sie ein Gutachten brauchen. Für Bank, Gericht oder Gremium braucht es einen Gutachter mit Siegel. Das bin ich nicht, und dafür bin ich zu teuer.
  • Wenn die Entscheidung bereits feststeht. Wer eine externe Bestätigung für einen längst beschlossenen Weg sucht, bekommt sie von mir nicht zuverlässig. Das ist für beide Seiten unbefriedigend.
  • Wenn operative Entscheidungen beim Eigentümer bleiben müssen. Wenn eine Führung nicht entscheiden darf, ist jedes Mandat verlorenes Geld. Ihres und meines.
  • Wenn nur eine Person im Gremium das will. Ein Mandat, bei dem der Rest der Runde darauf wartet, dass es scheitert, wird scheitern. Das ist keine Prognose, das ist Mechanik.
  • Wenn die Liquidität keine 90 Tage mehr trägt. Dann ist es ein Sanierungsfall, und der hat andere Regeln und andere Fristen. Ein erster Überblick dazu steht im Leitfaden zur Krisensituation.
Kapitel 9

Was ein sinnvoller nächster Schritt wäre

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, haben Sie vermutlich beim Lesen an eine konkrete Entscheidung gedacht, die Sie seit Monaten vor sich herschieben. Das ist der Punkt, an dem ein Gespräch etwas bringt.

Dreissig Minuten, kostenlos, ohne Präsentation und ohne Konzept. Ich stelle Ihnen drei Fragen:

1Was funktioniert in Ihrem Haus besser, als die Zahlen es zeigen? Diese Frage findet die Substanz, auf der man aufbauen kann. Sie wird fast nie gestellt.
2Welche Entscheidung schieben Sie seit mehr als zwölf Monaten vor sich her? Diese Frage findet die Ebene.
3Was müsste in zwölf Monaten anders sein, damit Sie sagen: das hat sich gelohnt? Diese Frage findet den Massstab, an dem Sie mich messen.

Am Ende sage ich Ihnen eines von drei Dingen. Erstens: Ihr Engpass liegt hier, und Sie können ihn selbst lösen, so und so. Zweitens: Das ist ein Mandat, und so würde es aussehen. Drittens: Dafür bin ich der Falsche, und ich sage Ihnen, wer der Richtige ist.

In allen drei Fällen wissen Sie danach mehr als vorher. In zwei von drei Fällen kostet es Sie nichts.

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Dreissig Minuten.
Drei Fragen. Eine klare Einschätzung.

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Michael Gehring
Michael Gehring
Hotel Mentor, Verwaltungsrat und Interim Manager · 40+ Jahre operative Hotellerie
Graz · München · Zürich