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Strategie

Das Hoteljahr 2027
beginnt im September.

Michael Gehring
Michael Gehring 10. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Hotel Mentor · Hospitality Consultant
Michael GehringKI-generiert / AI generated

Der Kalender sagt 1. Januar. Der Betrieb hat da längst entschieden.

Wer im Januar mit der Planung für das laufende Jahr beginnt, verwaltet zwölf Monate lang die Folgen von Entscheidungen, die im Herbst davor gefallen sind. Häufig von jemand anderem: vom Mitbewerber, der die Firmenrate früher auf dem Tisch hatte. Von der Servicekraft, die sich im Oktober anders orientiert hat. Vom Handwerksbetrieb, dessen Kalender für die Zwischensaison im November voll war.

Der Jahreswechsel ist ein Datum. Das Jahr selbst entsteht früher.

Was zwischen September und Dezember tatsächlich passiert

Die Raten für 2027 gehen jetzt in die Systeme. Firmenkonditionen werden verhandelt, Kontingente zugesagt, Stornofristen fixiert, Reiseveranstalter fragen ihre Preise ab. Was in diesen Wochen zugesagt wird, trägt das Haus zwölf Monate mit. Eine Rate, die im Oktober zu tief angesetzt war, lässt sich im Mai schwer korrigieren.

Das Team für 2027 entscheidet sich jetzt. Nach der Sommersaison ziehen Mitarbeitende Bilanz. Wer im Herbst ein ernst gemeintes Gespräch führt, über Aufgaben, Entwicklung und Dienstplangestaltung, hat im Frühjahr eine andere Ausgangslage als ein Haus, das im Februar zu inserieren beginnt. Lehrstellen und Saisonverträge folgen derselben Logik.

Die Zwischensaison wird jetzt verplant. Zimmer, Küchentechnik, Haustechnik, Aussenanlagen: Die ruhigen Wochen sind das Fenster im Jahr, in dem sich am Haus arbeiten lässt, ohne Gäste zu belasten. Gute Handwerksbetriebe vergeben diese Termine früh.

Die Sichtbarkeit für 2027 wird jetzt aufgebaut. Inhalte, Kampagnen, Newsletter und Bildmaterial brauchen Vorlauf. Ein Fotoshooting im Januar zeigt ein Haus im Januar. Wer im Sommer 2027 mit Sommerbildern arbeiten will, plant das im Herbst davor.

«Ein Budget ist eine Erwartung. Eine Entscheidung hat einen Namen, ein Datum und eine Konsequenz.»

Der Unterschied zwischen Planen und Entscheiden

In den meisten Häusern findet im Herbst eine Budgetrunde statt. Zahlen werden fortgeschrieben, Prozente angepasst, ein Ergebnis abgeleitet. Das ist saubere Arbeit und bleibt trotzdem oft folgenlos, weil ein Budget beschreibt, was man erwartet, und offenlässt, wer bis wann etwas anders macht.

Eine Entscheidung erkennt man an drei Merkmalen: Sie hat einen Verantwortlichen, ein Datum und eine spürbare Folge, wenn sie ausbleibt. Alles andere ist eine Absichtserklärung, die im März still verfällt.

Fünf bis sieben echte Entscheidungen tragen ein Jahr. Mehr verkraftet kaum ein Betrieb neben dem Tagesgeschäft.

Vier Fragen, die den Herbst tragen

Welche drei Zahlen beschreiben Ihr Jahr 2026 wirklich? Das Reporting liefert zwanzig. Drei davon erklären, warum das Jahr so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Wer diese drei benennen kann, hat die Grundlage für das nächste Budget.

Welche Entscheidung schieben Sie seit dem Frühjahr vor sich her? In fast jedem Haus gibt es eine. Das Restaurantkonzept, die offene Stelle in der zweiten Reihe, der Partnervertrag, der seit zwei Jahren nur noch verwaltet wird. Sie kostet jeden Monat Energie, in dem sie offen bleibt.

Wer aus Ihrem Team wird im März 2027 noch da sein? Und woher wissen Sie das? Ein Herbstgespräch beantwortet diese Frage zuverlässiger als jede Fluktuationsstatistik.

Was hätten Sie 2026 gebraucht, um ruhiger durch die Hochsaison zu kommen? Eine Position mehr im Service, eine funktionierende Schnittstelle zwischen Rezeption und Küche, eine klarere Vertretungsregelung. Diese Antwort gehört ins Budget, bevor die Zahlen stehen.

Ein Fahrplan bis Silvester

September: Bestandsaufnahme. Die Zahlen des laufenden Jahres ehrlich lesen, die drei tragenden Kennzahlen bestimmen, offene Baustellen sammeln. Termine für die Jahresgespräche setzen, solange der Dezember noch frei ist.

Oktober: Preise und Konditionen. Ratenstruktur für 2027 festlegen, Firmenverträge verhandeln, Kontingente prüfen, Stornoregeln überarbeiten. Parallel die ersten Mitarbeitergespräche führen, beginnend bei den Schlüsselpositionen.

November: Team und Investitionen. Personalplanung für das Frühjahr abschliessen, Lehrstellen ausschreiben, die Instandhaltungsliste priorisieren und die Handwerkstermine für die Zwischensaison fixieren.

Dezember: Festlegen und erklären. Budget verabschieden, die fünf bis sieben Entscheidungen schriftlich festhalten, jede mit Verantwortlichem und Datum. Danach dem Team sagen, was 2027 anders wird und warum.

Was der Januar noch kann

Der Januar bleibt ein guter Monat, um zu starten, nachzujustieren und Tempo aufzunehmen. Für alles, was Vorlauf braucht, ist er spät dran. Raten sind veröffentlicht, gute Bewerber sind vergeben, Handwerkerkalender sind gefüllt.

Wer den Herbst nutzt, geht im Januar an die Umsetzung. Wer ihn verstreichen lässt, beginnt im Januar mit der Frage, was eigentlich das Ziel ist. Beide Häuser arbeiten gleich viel. Eines davon kommt an.

Fazit

2027 entsteht in diesen Wochen. In den Ratenblättern, in den Jahresgesprächen, in der Instandhaltungsliste und in den Entscheidungen, die endlich getroffen werden. Der 1. Januar bestätigt anschliessend, was im Herbst festgelegt wurde.

Vier Monate reichen dafür aus. Es braucht dazu keine neue Software und keinen externen Workshop. Es braucht vier Termine im eigenen Kalender, die auch dann stehen bleiben, wenn das Tagesgeschäft ruft.

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Vier Monate, vier Seiten

Den Fahrplan aus diesem Beitrag habe ich als Arbeitspapier aufbereitet: die vier Monatsblöcke von September bis Dezember zum Abhaken, die vier Fragen mit Platz für Ihre Antworten und ein Blatt, auf dem Ihre fünf bis sieben Entscheidungen samt Verantwortlichem und Datum stehen.

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