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Hotellerie & Praxis

Gästebewertungen:
Segen, Übel -
oder einfach
Realität?

Michael Gehring
Michael Gehring20. März 2026 · 6 Min. Lesezeit
Michael Gehring

Im Podcast haben Ljubo und ich über Gästebewertungen gesprochen - und wie unterschiedlich Betriebe damit umgehen. Die einen überwachen jede Plattform täglich. Die anderen ignorieren Bewertungen grundsätzlich. Beides ist falsch.

Was Bewertungen wirklich sind

Eine Online-Bewertung ist eine verspätete Rückmeldung. Nichts mehr. Der Gast sagt, was er erlebt hat - gefiltert durch seine Erwartungen, seine Tagesstimmung und seine Fähigkeit, Dinge zu benennen. Das ist subjektiv. Manchmal unfair. Manchmal treffsicher.

Wer jede Drei-Sterne-Bewertung als persönlichen Angriff wertet, verliert die Perspektive. Wer jede Fünf-Sterne-Bewertung als Bestätigung nimmt, auch.

«Eine schlechte Bewertung ist unangenehm. Eine schlechte Bewertung, auf die nicht geantwortet wurde, ist teurer.»

Der Umgang entscheidet mehr als die Note

Wie ein Betrieb auf Bewertungen antwortet, sagt mehr über seine Führungskultur aus als die Bewertung selbst. Defensive Antworten, die den Gast als unrecht stehend darstellen, schaden doppelt - dem Gast gegenüber und allen, die die Antwort lesen.

Ich habe Hotels gesehen, die aus negativen Bewertungen echte Verbesserungen abgeleitet haben. Und Hotels, die dieselbe Kritik zwanzig Mal bekommen - und nichts geändert haben. Der Unterschied ist keine Frage der Plattform. Es ist eine Frage der Führung.

Drei Grundsätze für den Umgang mit Bewertungen:
1. Antworten Sie immer - auch auf positive Bewertungen. Kurz, konkret, persönlich.
2. Nehmen Sie Kritik als Signal, nicht als Urteil. Was sagen fünf ähnliche Kritiken zusammen?
3. Leiten Sie wiederkehrende Themen direkt ins Team weiter - als Gespräch, nicht als Vorwurf.

Wenn Bewertungen manipuliert werden

Das andere Ende: Betriebe, die Bewertungen kaufen oder Mitarbeitende bitten, positive Rezensionen zu schreiben. Das ist kurzfristig verführerisch und langfristig kontraproduktiv. Wer an der Quelle keine guten Erlebnisse schafft, kann die Plattform nicht austricksen - jedenfalls nicht dauerhaft.

Gästebewertungen sind ein Spiegel. Manchmal verzerrt, manchmal klar. Aber sie verschwinden nicht. Und sie lesen sich jene, die als nächstes buchen wollen.

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