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Zum Podcast · «Wein, Marge und die Realität der Hotellerie»
Wein & Betrieb

Wein, Marge und
die Realität,
die kaum jemand
offen bespricht.

Michael Gehring
Michael Gehring24. Jan 2026 · 5 Min. Lesezeit
Michael Gehring

Wein ist in der Hotellerie und Gastronomie eines der ertragreichsten Produkte - und gleichzeitig eines der am schlechtesten gemanagten. Im Podcast haben Ljubo und ich darüber gesprochen, was wirklich passiert, wenn Betriebe ihre Weinmarge anschauen. Die ehrliche Antwort ist: oft wenig Schönes.

Das Marge-Problem

Viele Betriebe arbeiten mit fixen Aufschlägen auf den Einkaufspreis - ein Faktor drei, ein Faktor vier. Das ist einfach zu kalkulieren und schwer zu verteidigen. Denn ein Wein, der im Einkauf 8 Euro kostet, für 24 Euro verkauft wird, erzeugt eine Marge. Aber ein Wein, der im Einkauf 30 Euro kostet und für 70 Euro auf der Karte steht, erzeugt zu wenig Umsatz - weil kaum jemand ihn bestellt.

Feste Faktoren ignorieren, dass Wein ein Erlebnis ist. Und Erlebnisse folgen anderen Preislogiken als Produkte.

«Wer seinen besten Wein zum dreifachen Einkaufspreis verkauft und seinen günstigsten auch, hat keine Weinkarte - er hat eine Preisliste.»

Was wirklich zählt

Die relevante Zahl ist nicht der Aufschlagsfaktor. Es ist der absolute Deckungsbeitrag pro Flasche multipliziert mit der Anzahl verkaufter Flaschen. Ein Wein, der wenig Marge macht aber viel läuft, kann besser sein als ein Wein mit hoher Marge, der im Keller verstaubt.

Das klingt offensichtlich. In der Praxis sehe ich Betriebe, die das nie durchgerechnet haben.

Drei Fragen, die jeder Betrieb beantworten können sollte:
1. Welche fünf Weine machen zusammen 50% Ihres Weinumsatzes?
2. Welche Weine auf der Karte wurden in den letzten 30 Tagen weniger als dreimal bestellt?
3. Welcher Wein hat den höchsten absoluten Deckungsbeitrag - und warum wird er nicht aktiver empfohlen?

Wein als Erlebnis verkaufen

Das andere Thema: Wein, der nicht verkauft wird, weil das Serviceteam ihn nicht kennt oder nicht erklärt, warum er gut ist. Schulung zahlt sich aus - nicht als Pflichtkurs, sondern als gemeinsames Verkosten mit echtem Gespräch über das Produkt.

Ein Servicemitarbeitender, der einen Wein liebt und das zeigen kann, verkauft mehr als jede Karte - und macht das Erlebnis zu dem, wofür der Gast gerne zahlt.

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