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Wein & Genuss

Weinsensorik:
Was genaues Schmecken
mit guter Führung
gemeinsam hat.

Michael Gehring
Michael Gehring27. Feb 2026 · 5 Min. Lesezeit
Michael Gehring

Im Podcast haben Ljubo und ich über Weinsensorik gesprochen - über die Frage, wie man einen Wein eigentlich beschreibt. Was ich dabei interessant finde: Die Fähigkeit, genau wahrzunehmen und das Wahrgenommene in Worte zu fassen, ist nicht nur am Weinglas nützlich.

Warum Beschreiben schwer ist

Die meisten Menschen können sagen, ob ihnen ein Wein schmeckt. Weit weniger können sagen, warum. Welche Note dominiert? Welche Säure? Welche Länge hat der Abgang? Diese Fragen erfordern Aufmerksamkeit - keine Expertise.

Wein beschreiben lernen heisst: hinschauen, hinschmecken, benennen. Nicht bewerten. Nicht urteilen. Erst wahrnehmen.

«Wer gelernt hat, einen Wein genau zu beschreiben, hat auch gelernt, eine Situation genau zu beschreiben. Das ist eine Führungsfähigkeit.»

Der Transfer in den Betrieb

In Rückmeldegesprächen - ob mit Mitarbeitenden, Gästen oder Partnern - fehlt oft genau das: die Fähigkeit, konkret zu benennen, was man wahrgenommen hat. «Das war gut» hilft niemandem. «Die Begrüssung war warm, der Übergang zur Bestellung hatte eine Pause, die dem Gast unangenehm war» - das ist brauchbar.

Sensorik trainiert Sprache. Und Sprache ist das Hauptwerkzeug von Führung.

Eine einfache Übung für Ihr Team:
Verkosten Sie gemeinsam einen Wein - ohne Wertung. Jeder beschreibt, was er wahrnimmt. Nicht «gut» oder «schlecht», sondern: Farbe, Geruch, Geschmack, Abgang. Was passiert: Menschen lernen, genauer zu beobachten und präziser zu formulieren. Das überträgt sich auf den Servicealltag.

Warum Wein in der Gastronomie unterschätzt wird

Wein ist in vielen Betrieben ein Verkaufsprodukt. In den besten ist er ein Gespräch. Der Unterschied liegt nicht im Sortiment - er liegt darin, ob das Team weiss, was es anbietet, und ob es Lust hat, darüber zu sprechen.

Ein Sommelier, der seinen Wein liebt und das zeigt, verkauft ohne zu verkaufen. Das ist der Unterschied zwischen Gastronomie als Dienstleistung und Gastronomie als Erlebnis.

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